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Halbleiterindustrie im vierten Quartal: Boomphase mit Engpässen

Das vierte Quartal 2023 in der Halbleiterindustrie ist geprägt von gegenläufigen Entwicklungen: Die Umsätze steigen, aber der Fachkräftemangel verschärft sich. Wohin steuert die Branche?


Halbleitermarkt: Ein turbulentes Jahr geht zu Ende.
Halbleitermarkt: Ein turbulentes Jahr geht zu Ende.

Das Jahr 2023 war für die Halbleiterindustrie eine Achterbahnfahrt. In der ersten Jahreshälfte prägten die Nachwirkungen der Pandemie, Handelskonflikte und Störungen in Lieferketten die Branche. Im vierten Quartal gibt es nun Signale für eine nachhaltige Erholung. Laut dem aktuellen SEMI-Bericht stiegen die Elektronikumsätze im Quartalsvergleich um 22 Prozent.


Die Analysten erwarten, dass die Investitionen in Nicht-Speichertechnologien im Jahr 2023 die Investitionen in Speichertechnologien übertreffen werden. Die Gesamtinvestitionen würden auf dem Niveau des vierten Quartals 2020 liegen. „Während die Halbleitermärkte in den letzten fünf Quartalen im Jahresvergleich rückläufig waren, wird für das vierte Quartal 2023 wieder ein Wachstum erwartet, da sich die Produktionskürzungen in der Lieferkette durchgesetzt haben“, sagt Boris Metodiev, Director of Market Analysis bei TechInsights. Die Produktionskürzungen haben demnach dazu beigetragen, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederherzustellen. Das könnte zu einem Umsatzwachstum führen.


Fachkräftemangel dämpft die Euphorie

Allerdings steht die Halbleiterindustrie auch vor einigen Herausforderungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Eine der größten ist der Fachkräftemangel, der sich in den letzten Jahren weiter verschärft hat. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die Lücke in der Branche um 30 Prozent auf über 82.000 Fachkräfte gestiegen ist. Dieser Mangel ist nicht nur ein Hindernis für die Ansiedlung neuer Chip-Fabriken in Deutschland, sondern könnte auch die Produktions- und Innovationsfähigkeit der Branche einschränken.


Schwäche bei Schlüsselindikatoren

In einigen Bereichen bleibt die Branche hinter den Erwartungen zurück, insbesondere bei der Auslastung der Produktionsanlagen und den Kapitalinvestitionen. Laut einer Untersuchung von Electronics Specifier waren diese Schlüsselindikatoren im zweiten Halbjahr 2023 rückläufig, was auf eine erhöhte Unsicherheit in der Branche hindeutet. Die Auslastung der Produktionsanlagen fiel von 87,6 Prozent im ersten Quartal auf 83,4 Prozent im dritten Quartal und die Kapitalinvestitionen von 69,9 Milliarden im ersten Halbjahr auf 64,8 Milliarden im zweiten Halbjahr.


Interessanterweise gab es jedoch einen Lichtblick in der Branche, und zwar bei den Rechnungen für Backend-Equipment. Dieses wird für die Montage, das Verpacken und das Testen von Halbleitern verwendet. Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die Fakturierungen um 9,4 Prozent, was auf eine beginnende Stabilisierung in diesem Segment hindeutet. Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch die gestiegene Nachfrage nach fortschrittlichen Packaging-Technologien, die eine höhere Leistung und eine bessere Integration von Halbleitern ermöglichen.


Entwicklungen bei den führenden Unternehmen

Die IT-Times berichtet über einige wichtige Entwicklungen bei den Top-Unternehmen der Halbleiterindustrie. Dazu gehört die erweiterte Partnerschaft zwischen Apple und Amkor, einem der weltweit größten Anbieter von Halbleiter-Packaging und Testdienstleistungen. Die Unternehmen haben einen Vertrag über die Lieferung von hochmodernen Chip-Packages für die nächste Generation von iPhones, iPads und MacBooks unterzeichnet. Diese Partnerschaft zeigt, wie wichtig das Packaging für die Differenzierung und Leistungssteigerung von Halbleitern ist.


Andere führende Unternehmen mussten dagegen Umsatzrückgänge hinnehmen. So verzeichnete Ambarella, ein führender Anbieter von Video- und Bildverarbeitungslösungen, einen Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Marvell Technology, ein führender Anbieter von Speicher-, Netzwerk- und Konnektivitätslösungen, verzeichnete einen Umsatzrückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Halbleiterindustrie im vierten Quartal 2023 an einem Scheideweg befindet. Während es Anzeichen für eine Erholung gibt, bleiben Herausforderungen wie der Fachkräftemangel und Schwächen bei Schlüsselmetriken bestehen. Die Entwicklungen bei führenden Unternehmen zeigen, dass Anpassungsfähigkeit und Innovation weiterhin entscheidend für den Erfolg in der dynamischen Landschaft der Halbleiterindustrie sein werden.


Die Halbleiterindustrie schließt das Jahr mit einem starken Quartal ab, trotz ungelöster Herausforderungen.

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